Bitte nicht stören, da ist gerade jemand im Flow! Wie ein Kind beim Spielen kommen wir bei manchen Aktivitäten in einen Zustand, in dem wir alles rundherum vergessen. Wir gehen ganz auf in einer Tätigkeit – wir werden mit ihr identisch –, können uns dabei in den kleinsten Details verlieren und extreme Herausforderungen meistern. Wir erleben eine immense Leichtigkeit im Geist und führen Handlungen scheinbar widerstandslos aus. Wir sind im Flow.
Auch beim Musizieren oder Musikhören können wir in den Flow kommen. Wem es gelingt, erlebt höchste Glücksgefühle. Wir identifizieren uns mit den in Musik gebannten Emotionen und Zuständen – dann spielen und hören wir sie nicht, sondern wir fühlen und erleben sie. Wenn die Hände auf den Tasten Unvorstellbares vollbringen und der Kopf scheinbar den Muskeln folgt, wenn Musikgruppen ihre Bewegungsenergie bündeln, wenn wir beim Zuhören ganz in ein Werk eintauchen – dann sind wir im Flow.
Nach dem letztjährigen Festivalthema «Rituale» ist «Im Flow» ein konsequenter nächster Schritt, denn: Das Ritualisieren ermöglicht den Flow-Zustand. Rituale sind Handlungen unter strenger Kontrolle. Flow ist die freigeistige Kehrseite des Rituals und bedeutet, diese Kontrolle loszulassen. Im Musikdorf Ernen wollen wir uns eine Saison lang auf diesen Kern unserer geliebten Tätigkeit konzentrieren – auf das intensive, bewegende und bereichernde Erlebnis Musik.
Zudem entdecken wir in der 53. Konzertsaison Musik, die verbunden ist mit vielem, was fliesst: Natürlich Wasser, Luft, Energie und die Zeit, aber auch Geld, Gedanken oder Getränke.